[REZENSION] ZU “WER ZULETZT LÜGT” VON L. E. FLYNN

[REZENSION] ZU “WER ZULETZT LÜGT” VON L. E. FLYNN

Wer zuletzt lügt

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Leseexemplar
Verlag: Carlsen
Genre: Jugend-Psychothriller
Erscheinungsdatum: 28.01.2021
Seiten: 432
Print: 15,00 €
Ebook:  4,99 €
Reihe: nein
ISBN: 978-3551584236


Inhalt

Als Fiona die Außenseiterin Trixie kennenlernt, ist sie sofort von ihr fasziniert: immer mit neuen Haarfarben, neuen Outfits, neuen Ideen. Fiona verbringt ihre Zeit fast nur noch mit Trixie und ordnet sich ihr vollkommen unter. Dennoch hat sie das ungute Gefühl, nie ganz schlau aus ihr zu werden.

Und Fiona hat noch ein anderes Problem: Sie ist unsterblich in Beau verliebt – obwohl dieser sich vollkommen zurückgezogen hat, seit sein Bruder Toby vor einem Jahr auf mysteriöse Weise verschwunden ist und für tot erklärt wurde.

Gefangen im Netz der Intrigen: Was ist Wahrheit – was ist Lüge?

Dann verschwindet eines Nachts auch Trixie. Es gibt einen angeblichen Zeugen, der gesehen hat, wie sie ins Meer gegangen ist, immer tiefer, und ihr Tod wird als Selbstmord deklariert. Fiona kann das nicht glauben. Sind Trixie und Toby vielleicht beide noch am Leben und irgendwo zusammen? Und welche Rolle spielt Trixies Ex-Freund, der geheimnisvolle Jasper? Fiona fängt an nachzuforschen – und deckt nach und nach eine Lüge nach der anderen auf … Wem kann sie überhaupt noch trauen? Wer ist tot – und wer lebt?

© Carlsen Verlag


Meine Meinung

Jugendthrillern kann ich allgemein sehr viel abgewinnen, bisher habe ich da gute Erfahrungen gemacht. Der Klappentext klang vielversprechend und ich habe mir jede Menge Spannung und Miträtseln erhofft. Auch das Cover sticht sofort ins Auge und ist gut mit Titel und Inhalt abgestimmt.

Mir gefällt die wechselnde zeitliche Perspektive, in der die Geschichte erzählt wird, sehr gut. Allerdings hätte ich mir hier stellenweise eine kurze Überschrift dazu gewünscht, damit der Übergang noch etwas deutlicher ist. Der Schreibstil ist einfach gehalten und lässt die Seiten verfliegen, man kann gut ins Geschehen eintauchen. Im Grunde kann die Autorin einnehmend schreiben, doch das reicht nun mal nicht immer.

Gerade bei Thrillern ist mir der Bezug zu den Figuren nicht ganz so wichtig, weil es mehr um das Gesamte an sich geht, was allerdings schwierig wird, wenn der Thriller eher einem Drama-Teenie-Roman entspricht. Hier ist es mir schwer gefallen, mich richtig hineinzufühlen, weil ich die Protagonistin einfach gar nicht leiden konnte und es zudem durchwegs an Spannung fehlte. Es werden viele Themen behandelt, die man teilweise aus seiner eigenen Jugend kennt, die man auch nachvollziehen kann und mir hat gut gefallen, dass diese von der Autorin ganz geschickt eingebaut wurden, und doch fand ich die Umsetzung einfach zu unausgereift. Vor allem lag der Fokus zu sehr auf Teenager-Problemen. Fiona ist nicht nur unsympathisch, sie ist ein sehr spezieller Charakter. Auf der einen Seite besitzt sie überhaupt kein Selbstwertgefühl, ist sehr naiv, hängt sich immer an andere, lässt sich sehr leicht beeinflussen und macht, was man ihr sagt. Auf der anderen Seite ist sie aber auch absolut egoistisch und kreidet anderen gerne an, was sie selbst nicht besser macht. An und für sich kann ein solches Verhalten schon auf eine 17-jährige zutreffen und ich weiß auch, was die Autorin mit der Prota erreichen wollte, aber das ist bei mir leider nicht angekommen. Mir fehlte in der Geschichte eine Entwicklung. Da passiert bei dieser Figur bis zum Schluss eigentlich gar nichts, es dreht sich gefühlt alles im Kreis, und man ist durchaus schon mal genervt. Am Ende wird dann eine Wendung einfach so hingeknallt, ohne den Weg dahin zu erkennen, so habe ich es zumindest empfunden.

Der eigentliche Handlungsstrang der Geschichte, die Suche nach den verschwundenen Jugendlichen, ging irgendwie immer wieder total unter. Stattdessen wurden mir zu sehr die nebensächlichen Probleme von Fiona in den Vordergrund gerückt. Mir fehlten komplett die Nachforschungen, Ermittlungsarbeit, das Miträtseln. Von Zeit zu Zeit wird mal wieder ein Brocken in diese Richtung hingeworfen, aber dann geht es in meinen Augen wieder nur um Nebensächlichkeiten. Leider fehlt es dadurch durchwegs an Spannung. Ein paar Geheimnisse werden auch nur nebenbei mal angehaucht, aber auch die machen nicht so richtig neugierig oder sie sind viel zu offensichtlich. Von Lügen aufdecken habe ich nicht viel gemerkt, das war alles ziemlich lahm. Erst sehr spät kommt mal kurz ein bisschen Unbehaglichkeit auf, doch wieder nur ganz kurz angerissen, fast sofort war dieses Gefühl wieder verschwunden. Das Buch hat sich weiter relativ spannungslos bis zum Finale hingezogen. Zugegeben am Ende war ich kurz überrascht, aber der Weg dorthin hätte so viel Potenzial gehabt, das einfach verschenkt wurde. Wo waren die geheimnisvollen Figuren, denen man nicht traut und deren Geheimnisse man ergründen möchte? Es gab schlicht keine großen Ermittlungen, ich selbst hatte nichts zum Mitdenken, keine Verdächtigen, es gab keine großen Wendungen oder Erkenntnisse. Hier hat der komplette Thrill gefehlt und auch der Schluss konnte das nicht ändern.


Fazit

Wer zuletzt lügt klang absolut vielversprechend und ich liebe eigentlich solche Geschichten total. Geheimnisse, Intrigen, Spielchen, natürlich alles in etwas softerer Form, da es ein Jugendbuch ist, doch von Psychothriller habe ich hier absolut überhaupt nichts wahrgenommen. Das Buch erzählt die Story aus Fionas Sicht in unterschiedlichen zeitlichen Episoden. Diese Aufteilung war an und für sich gut angedacht, dadurch sollte auch Spannung aufkommen, nur war dies leider bei mir überhaupt nicht der Fall. Warum habe ich das Buch nicht abgebrochen? Nun, die Autorin hat eine tolle Grundidee genommen und ihr Schreibstil ist leicht und einnehmend, da habe ich einfach immer weitergehofft, dass plötzlich Wendungen kommen, dass Spannung aufkommt und ich wollte auch unbedingt wissen, was ist denn nun mit den beiden verschwundenen Jugendlichen passiert? Im Prinzip hat mir wie gesagt die Idee dazu super gefallen und selbst das Ende war nicht schlecht gewählt, nur der Weg dahin war leider schlecht umgesetzt. Ich bin es gewohnt, dass ich solche Bücher kaum aus der Hand legen kann, weil ich miträtsle, meine eigenen Verdächtigen oder Mutmaßungen anstelle, was passiert sein könnte. Das fehlte mir hier komplett. Der Hauptstrang gerät immer wieder in den Hintergrund und wird überlagert vom Teenie-Alltag und den Problemen der Protagonistin. Diese empfand ich dazu noch absolut unsympathisch, was meine Euphorie nicht besser gemacht hat. Jasper und Beau waren an sich interessant gewählte Charaktere, doch leider wurde auch hier ganz viel Potenzial verschenkt. Wer gerne einen netten Roman über zwei verschwundene Jugendliche inmitten eines Teenager-Alltags lesen möchte, der kann durchaus seine Freude an diesem Buch finden. Da ich aber einen Jugend-Psychothriller erwartet habe, mir der Thrill aber komplett gefehlt hat, kann ich persönlich keine Empfehlung geben und vergebe daher auch nur 2 Sterne.

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